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Wie Unterstützerfamilien Kindern und Eltern in herausfordernden Lebensphasen Halt geben

Veröffentlichungsdatum:

31.03.2026

Lesedauer

5 Minuten

Kategorien
sociale

Beschreibung

Im Pustertal werden Paare und Einzelpersonen mit oder ohne Kinder gesucht, die sich bereit erklären, die wertvolle, aber auch herausfordernde Aufgabe einer teilzeitigen Anvertrauung (für einige Stunden am Tag oder in der Woche) zu übernehmen.

Familien können sich zeitweise in herausfordernden Lebenssituationen befinden und Unterstützung brauchen, um diese gut zu bewältigen. Eine Unterstützerfamilie springt genau dann ein und bietet „Hilfestellung auf Zeit“. Unterstützerfamilien – das können Familien, Paare oder auch Einzelpersonen sein – begleiten Kinder für einige Stunden oder Tage pro Woche bei alltäglichen Aufgaben. Die Zeiten werden gemeinsam vereinbart und an die jeweiligen Möglichkeiten angepasst.


Was bedeutet es für eine Familie, Unterstützerfamilie zu werden? Wie sieht diese Aufgabe konkret aus? Was sind Beweggründe, einem Kind für einige Stunden oder Tage die Woche ein zweites Zuhause zu schenken? Diese Fragen haben wir Ruth Leimegger aus Sand in Taufers gestellt, die sich vor einigen Monaten bereit erklärt hat, Unterstützerfamilie zu werden.


Ruth, was hat dich dazu bewegt, Unterstützerfamilie zu werden? Gab es einen bestimmten Auslöser?

Ruth: Ich habe im Umfeld mitbekommen, dass eine Familie ein Pflegekind aufgenommen hat, und auch im Freundeskreis wurde immer wieder über dieses Thema gesprochen. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Mein Sohn ist ein Einzelkind, und ich hatte das Gefühl, dass es auch für ihn schön und bereichernd wäre, regelmäßig ein anderes Kind bei uns zu haben – nicht nur zum Spielen, sondern um miteinander Zeit zu verbringen, voneinander zu lernen und den Alltag zu teilen. So ist der Gedanke gereift, mich als Unterstützerfamilie zur Verfügung zu stellen.


Seit Mitte September letzten Jahres begleitet ihr bei euch Zuhause einmal wöchentlich ein Mädchen. Sie kommt nach der Schule und bleibt bis ungefähr 20.00 Uhr bei euch. Wie läuft ein Nachmittag bei euch ab?

Ruth: Mein Sohn fragt immer schon die Tage davor, wann es endlich soweit ist, dass das Mädchen wieder zu uns kommt. Nach der Schule kommt sie zu uns, und wir essen gemeinsam zu Mittag. Danach gehen wir meist nach draußen, spielen im Garten oder besuchen den Spielplatz. Später machen wir eine Jause und anschließend die Hausaufgaben. Mein Sohn, der noch im Kindergarten ist, setzt sich oft dazu, malt oder „schreibt“ ebenfalls etwas.

Anschließend essen wir noch gemeinsam zu Abend. Kürzlich haben wir ein Rezept ausprobiert, das sie von zu Hause mitgebracht hat – eine Kartoffel-Karottensuppe. Am Abend wird sie dann von ihrer Mutter abgeholt.


Inwiefern hat dich und deinen Sohn diese Aufgabe bisher bereichert?

Ruth: Diese Aufgabe hat uns in vielerlei Hinsicht bereichert. Mein Sohn schaut sich vieles von ihr ab, weil sie älter ist. Gleichzeitig lernen wir eine andere Kultur kennen: eine andere Sprache, andere Essgewohnheiten, andere Spiele. Das erweitert unseren Horizont.

Wir sind als Familie offener geworden. Unser Zuhause hat sich gewissermaßen „geöffnet“, und das fühlt sich gut an. Das Mädchen gehört mittlerweile dazu und fühlt sich bei uns wohl. Dieses Miteinander ist für uns ein großes Geschenk.


Gab es auch Momente, die dich gefordert haben? 

Ruth: Zu Beginn der Anvertrauung gab es eine Phase, in der mein Sohn eifersüchtig reagierte und sich behaupten wollte. Hier mussten sich die Kinder die Rollen erst aushandeln. Diese Situation bekamen wir jedoch schnell und gut wieder in den Griff. 

Gegen Abend wird mein Sohn manchmal müde, dann ist es herausfordernder, beiden Kindern gleichzeitig gerecht zu werden. Aber auch das gehört zum Alltag dazu.


Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Mutter?

Ruth: Wir verstehen uns sehr gut, und sie ist für die Unterstützung sehr dankbar. Wenn Termine verschoben werden müssen oder etwas dazwischenkommt, ist sie sehr unkompliziert. Wenn sie ihre Tochter abholt, sitzen wir manchmal auch kurz zusammen und unterhalten uns. Ich war auch schon bei ihnen zu Hause eingeladen. Es ist ein wertschätzendes Miteinander. 


Für die Tätigkeit als Unterstützerfamilie ist eine Eignungseinschätzung vorgesehen. Wie hast du diesen Prozess erlebt?

Ruth: Der Prozess war professionell und sorgfältig, was ich auch wichtig finde. Schließlich geht es darum, gut zu entscheiden, welches Kind zu welcher Familie passt. 

Zunächst hatte ich ein unverbindliches Informationsgespräch mit dem Fachteam Familiäre Anvertrauung. Danach folgten ein Gespräch mit der Sozialassistentin und einer Psychologin sowie ein Hausbesuch. Für mich war das eine interessante Erfahrung.


Was würdest du einer Familie sagen, die unsicher darüber ist, ob sie sich als Unterstützerfamilie melden soll?

Ruth: Ich würde sagen: einfach ausprobieren. Man bekommt Unterstützung und Rückhalt vom Team der Familiären Anvertrauung. Sollte es nicht passen, kann man offen darüber sprechen und die Begleitung auch wieder beenden. Für uns ist diese Erfahrung ein großes Geschenk, und ich bin sehr froh, dass wir diesen Schritt gewagt haben.


Warum sind Unterstützerfamilien aus deiner Sicht wichtig?

Ruth: Ich bin viel gereist und habe so gesehen, wie gut wir es hier in Südtirol haben. Es ist schön, wenn wir nicht nur auf unseren eigenen Alltag schauen, sondern ein Stück davon teilen. Gemeinschaft ist etwas sehr Wertvolles. Jeder von uns braucht irgendwann Unterstützung. Wenn wir bereit sind, unsere Türen zu öffnen und füreinander da zu sein, profitieren am Ende alle davon.


Wir freuen uns, Sie kennenzulernen!


Weitere Informationen erhalten Sie in der allgemeinen Verwaltung der Bezirksgemeinschaft Pustertal unter 0474412926pr@bzgpust.it.


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Zuletzt aktualisiert: 31.03.2026, 14:25 Uhr

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